Welche Auswirkungen können Emotionen im Straßenverkehr haben?

Wählen Sie eine der folgenden Emotionen aus, um mehr darüber zu erfahren.



Angst und Furcht

Angst und Furcht sind typisch für Situationen, von denen man glaubt, dass man sie nicht oder nur schwer bewältigen kann. Angst ist eher unbestimmt, man hat das Gefühl einer Bedrohung, weiß aber nicht genau, durch was oder wen. Furcht hingegen richtet sich auf eine konkrete Bedrohung, zum Beispiel vor einem Überfall beim nächtlichen Heimweg durch einen unbeleuchteten Park. Bei beiden Emotionen wird eine starke Beunruhigung erlebt. Man fühlt sich beengt, angespannt, nervös und insgesamt unsicher. Manche Angst auslösenden Situationen im Straßenverkehr sind der betreffenden Person bewusst, zum Beispiel enge Autobahnbaustellen, Überholen auf der Landstraße oder Fahren bei schlechtem Wetter.

Vielleicht wird man versuchen, Fahrten auf Strecken zu vermeiden, die diese Emotionen auslösen. Dies kann jedoch dazu führen, dass sich die Angst ausweitet und am Ende sogar vermieden wird, überhaupt Auto zu fahren. Solche Ängste beim Autofahren sind gar nicht so selten, wie man vielleicht vermutet. Deshalb gibt es Fachleute, die dabei helfen, diese Ängste zu bewältigen. Wenn Sie speziell ausgebildete Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer suchen, die Sie dabei unterstützen, wenden Sie sich an den entsprechenden Fahrlehrerverband Ihres Bundeslandes.

Unerwartete Situationen können einen Schreck auslösen, zum Beispiel wenn einem auf der Landstraße ein überholendes Fahrzeug auf der eigenen Spur entgegenkommt. Dann steigen automatisch Herzfrequenz und Blutdruck. Andere, momentan als unwichtig empfundene Dinge werden ausgeblendet. Die Aufmerksamkeit wird geschärft. So kann man schnell reagieren und kräftig bremsen, notfalls ausweichen. Man kann jedoch vor Schreck und Angst auch wie gelähmt sein. Das kann zu falschen oder zum Ausbleiben notwendiger Reaktionen führen. Dann ist es wichtig, dass man solche Situationen schon häufig trainiert hat und dadurch in der Lage ist, zum Beispiel reflexhaft richtig zu bremsen. Eine weitere Möglichkeit ist die mentale Vorbereitung auf derartige Situationen. Das bedeutet, dass man sich die entsprechenden Situationen gedanklich vorstellt und darin entsprechend sicher reagiert.


Freude, Zufriedenheit und Euphorie

Freude gehört zu den Emotionen, die allgemein als positiv empfunden werden. Sie tritt auf, wenn jemand Erlebnisse positiv bewertet oder wenn sich Wünsche erfüllen. Zufriedenheit stellt sich ein, wenn das Erlebte in Einklang mit der eigenen Erwartung steht und man an den gegebenen Verhältnissen nichts auszusetzen hat. Freude und Zufriedenheit sind gekennzeichnet von Entspannung. Unter dem Einfluss dieser Emotionen neigt man dazu, Situationen positiv zu bewerten und großzügig zu sein.

Unter Euphorie versteht man ein länger anhaltendes intensives, „überschäumendes“ Glücksgefühl, das mit einer hohen inneren Erregung verbunden ist. Euphorie kann durch äußere Einflüsse wie zum Beispiel einen hohen Lottogewinn hervorgerufen werden. Sie kann aber auch durch eigenes Handeln entstehen, etwa durch einen wichtigen Erfolg, den man erreicht hat und auf den man stolz ist. Ein solcher Gemütszustand kann beflügeln und zu hohen Leistungen führen, möglich ist aber auch rauschhaftes Handeln, bei dem das überwältigende Glücksgefühl alles andere vergessen lässt. Euphorie ist verbunden mit reduzierter Aufmerksamkeit und nachlassender Selbstkontrolle, was bei der Verkehrsteilnahme gefährlich werden kann.

Ähnlich wirkt der so genannte Flow, der häufig in Zusammenhang mit dem Motorradfahren beschrieben wird. Dabei handelt es sich um einen Zustand der vollkommenen Versunkenheit in eine Tätigkeit, man ist höchst konzentriert bei der Sache. Dieser Flow kann dazu führen, dass das Umfeld und die möglichen Gefahren ausgeblendet werden, während die Risikobereitschaft wächst. Im Straßenverkehr sollte man sich selbst daher gut beobachten: Spürt man, dass man in einen Flow gerät, sollte man versuchen, „einen Gang zurückzuschalten“ und die einzelnen Fahrmanöver wieder ganz bewusst auszuführen.


Ärger, Wut und Zorn

Bei diesen Emotionen handelt es sich um Formen der Selbstbehauptung. Hat man auf der Autobahn hinter sich ein dicht auffahrendes Fahrzeug, kann man den Fahrstreifen wechseln oder selbst schneller werden. Dies wird jedoch zumeist als Kapitulation empfunden, was die Emotion verstärken kann. Daraus entwickelt sich leicht ein Machtkampf. Da die Menschen in den unterschiedlichen Fahrzeugen nicht einfach miteinander reden können, schaukeln sich oft die Gefühle auf: Man bleibt vielleicht länger auf der linken Spur als es nötig wäre. Das wiederum reizt die dicht auffahrende Person möglicherweise zu einer Verstärkung ihres Verhaltens.

Während es bei Ärger zumeist noch möglich ist, die innere Balance aufrechtzuerhalten, geht es bei Wut um die Frage der Macht. Wer ist stärker, mein Gegenüber oder ich? Wut ist eine Emotion, bei der man die eigene Hilflosigkeit empfindet. Durch sie wird der Impuls vermittelt, sich zu behaupten, was schnell zu Aggression führen kann.

Im Gegensatz zur Wut, bei der man Schuldfragen zumeist nicht abwägt, handelt es sich bei Zorn um eine Empörung über empfundenes Unrecht. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man von anderen geschnitten oder ausgebremst wird. Dabei erlebt oder empfindet man einen Machtverlust. Dieses Gefühl möchte man wieder loswerden, was oft dazu führt, dass man das Bedürfnis hat, sich beim Gegenüber für das Erlebte zu rächen.


Kränkung

Auslösendes Moment einer Kränkung ist zumeist eine Beleidigung oder Herabsetzung. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn jemand die Kompetenz oder das Auftreten einer anderen Person infrage stellt. Für manche Menschen sind der Autobesitz und das Autofahren Teil ihrer Persönlichkeit. Das Fahrzeug repräsentiert das Selbstbild und soll zum Beispiel signalisieren, wie sportlich, dynamisch oder wohlhabend man ist. Das führt dazu, dass etwa ein Überholmanöver oder beleidigende Gesten persönlich genommen und als Infragestellung des Selbstbildes und des eigenen Anspruchs empfunden werden.

Typisch für eine Kränkung ist, dass sie Wut auf andere hervorruft, verbunden mit dem Wunsch, sich zu rächen. Das Bedürfnis nach Rache ist dabei Ausdruck des menschlichen Wunsches, passives Leiden in aktives Handeln zu verwandeln. Die Kränkung ist eine unangenehme Emotion, da der eigene Stolz gefährdet ist. So wird ein Impuls ausgelöst, sich gegenüber der Person, von der man sich angegriffen fühlt, zu behaupten. Dies kann beispielsweise zu einem riskanten Fahrmanöver verleiten, das die eigene Überlegenheit demonstriert und den beschädigten Stolz wiederherstellt. Eine erlebte Kränkung kann ein Auslöser für aggressives Verhalten sein.


Aggression

Aggression kann aus erlebter Frustration entstehen, wenn es jemandem versagt bleibt, einen Impuls oder einen dringenden Wunsch zu verwirklichen. Man unterscheidet zwei Arten von Aggression: Bei der einen sucht man den eigenen Vorteil und nimmt dabei einen Schaden bei anderen billigend in Kauf. Ein Beispiel hierfür wäre eine Situation, in der man auf der Landstraße längere Zeit hinter einem langsamen Fahrzeug herfahren muss und aufgrund des dichten Gegenverkehrs nicht überholen kann, obwohl man es sehr eilig hat. Aggressives Verhalten könnte nun darin bestehen, sehr dicht auf das Fahrzeug aufzufahren, die Lichthupe mehrfach zu betätigen und so den anderen Fahrer oder die andere Fahrerin „aufzufordern“, schneller zu fahren oder Platz zu machen. Die Gefährdung durch das dichte Auffahren wird dabei bewusst in Kauf genommen.

Daneben gibt es noch die feindselige Aggression, wenn man jemanden wirklich schädigen will, körperlich oder psychisch. Dies wäre beispielsweise dann der Fall, wenn man versucht, jemand anderen von der Straße zu drängen oder ihn oder sie durch ein entsprechendes Fahrmanöver zum Ausweichen zu zwingen. Beide Arten der Aggression können im Straßenverkehr lebensgefährlich werden.


Trauer und Kummer

Unter Trauer versteht man die Reaktion auf einen als bedeutend empfundenen Verlust. Dies kann der Fall sein bei Trennung oder Tod eines geliebten Menschen. Trauer kann auch durch einen materiellen Verlust ausgelöst werden. Traurigsein ist bedrückend, man empfindet Kummer oder sogar Hilflosigkeit. Die trauernde Person ist von diesen Gefühlen oftmals völlig eingenommen und damit beschäftigt, mit dem Verlust umzugehen und die Trauer zu bewältigen. Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit sind oft Begleiterscheinungen der Trauer, auch Unwohlsein und Ermüdung treten häufig auf. Dementsprechend kann im Straßenverkehr die Aufmerksamkeit stark reduziert sein.


Gelassenheit und Souveränität

Gelassenheit setzt voraus, eine innere Distanz zu den Dingen des Alltags zu besitzen. Man reagiert nicht auf jede Herausforderung, erst recht nicht auf Angebote zu einem Wettstreit oder Machtkampf. Man ist bereit, die Dinge und auch andere Personen mit ihren Eigenarten so zu belassen, wie sie sind. Oft steht dies in Verbindung mit Humor. Souveränität bedeutet, aus sich selbst heraus zu entscheiden und sich nicht von anderen zu etwas drängen oder gar zwingen zu lassen.

Wer gelassen bleiben möchte, benötigt auch Geduld. Geduld ist die Fähigkeit, auf ein erwartetes oder ersehntes Erlebnis warten zu können. Diese Fähigkeit wird im Straßenverkehr häufig verlangt: an der roten Ampel, an der Einmündung zu einer starken befahrenen Straße oder auch am Ende einer Fahrzeugkolonne, die sich hinter einem langsam fahrenden Fahrzeug gebildet hat. Viele Menschen werden hier ungeduldig, sie können es nicht erwarten, dieser Situation wieder zu entkommen. Stattdessen handeln sie unüberlegt oder nehmen ein hohes Risiko in Kauf. Das kann dann im Straßenverkehr zu Situationen führen, die für einen selbst oder andere gefährlich werden.

Im Straßenverkehr jederzeit Gelassenheit und Souveränität an den Tag zu legen, auch in schwierigen und stressigen Situationen, ist nicht einfach. Die eigene Persönlichkeit spielt hier eine wichtige Rolle. Aber auch ausgeglichene Personen, die meistens ruhig sind und sich nicht beirren lassen, können auch mal dünnhäutig und gereizt sein. Es kommt immer darauf an, wie es uns gerade gesundheitlich, beruflich und privat geht.

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